In der Online-Ausgabe der Neuen Zürcher Zeitung bleiben Buchrezensionen dreissig Tage lang zugänglich. Danach kommen sie ins Archiv, wo die abgelegten Texte im Allgemeinen nicht leicht eingesehen werden können. Zwar bewahren die Bibliotheken die gedruckten Zeitungen weiterhin auf, doch ausser zu wissenschaftlichen Zwecken wird kaum jemand dort Literaturkritiken nachlesen wollen.
Viele Texte der Literaturkritik sind anderweitig im Internet zugänglich, doch in Bezug auf die arabische und die afrikanischen Literaturen sind diese Möglichkeiten begrenzt. So habe ich mich entschlossen, diese Website zu eröffnen. Sie enthält in der Hauptsache all jene Texte, die ich von 1985 bis 2010 zu den afrikanischen und arabischen Literaturen geschrieben habe und die in sehr unterschiedlichen Zeitungen und Zeitschriften erschienen sind. Texte zum Thema, die ich in Zukunft schreibe, werden selbstverständlich auf der Website erscheinen. Die Definition afrikanische und arabische Literaturen ist nicht so eindeutig, wie sie auf den ersten Blick erscheint. In der Literaturwissenschaft war diese Frage immer wieder Thema der Auseinandersetzung. Bei der Auswahl der Texte für meine Website bin ich eher grosszügig vorgegangen. So enthält sie nicht nur Texte zu literarischen Werken, die von afrikanischen bzw. arabischen SchriftstellerInnen in Afrika bzw. in den arabischen Ländern verfasst wurden. Selbstverständlich habe ich auch Texte zu Literaturwerken berücksichtigt, die AfrikanerInnen bzw. AraberInnen im Exil geschrieben haben. Darüber hinaus habe ich auch Texte über literarische Werke mit Bezug zu Afrika bzw. zur arabischen Welt aufgenommen, die den Kriterien eigentlich nicht genügen, z.B. solche, die etwas mit der Karibik oder gar mit der Schweiz zu tun haben.
Die meisten Texte auf dieser Website sind Besprechungen, Interviews, Porträts – also Texte der Literaturkritik im engeren Sinne; sie sind autorenbezogen und somit auch über die Rubrik AutorInnen zu erschliessen. Daneben enthält die Website Texte, die anderen Textsorten und anderen Themen zuzuordnen sind: allgemeine Überlegungen zu den afrikanischen und arabischen Literaturen, Sammelbesprechungen, Besprechungen von Sekundärliteratur, Vorschauen und Berichte zu Veranstaltungen, auch einige Texte zum Bereich Film/Fotographie/Theater/Kunst. Diese zusätzlichen Texte sind über die Rubrik Allgemeine Texte oder über AutorInnen zu erschliessen. Überdies gibt es die Rubrik Beobachtungen: Hier will ich Beobachtungen, Kommentare, Standpunkte zu Phänomenen aus der Welt der afrikanischen und arabischen Literaturen sowie ihrer Rezeption zugänglich machen.
Texte zu den afrikanischen und arabischen Literaturen aus 25 Jahren – sind sie repräsentativ für das Literaturschaffen in den entsprechenden Regionen? Sicher nicht, diese Literaturen sind derart reichhaltig, dass sie von einem einzelnen Literaturkritiker unmöglich repräsentativ begleitet werden können. Von einer gewissen Repräsentativität kann bei meiner Website höchstens für die afrikanischen Literaturen und ihre Werke gesprochen werden, die auch in deutschsprachigen Übersetzungen vorliegen. Doch auch hier gibt es Lücken – infolge persönlicher Vorlieben, fehlender Zeit und Publikationsmöglichkeiten usw.
Notwendig erscheinen mir einige Anmerkungen zur Gestaltung: Die Kurzbiografien sind unterschiedlich umfangreich, zuweilen war ist schwierig, überhaupt entsprechende Informationen zu finden. Wenn immer möglich werden die AutorInnen mit einer Fotografie vorgestellt. All jene Bilder, die nicht mit einem Urhebervermerk versehen sind, stammen von mir selbst. Die meisten Bücher, von denen in einem Text die Rede ist, werden durch ein Cover repräsentiert. Diese zeigen nicht immer die Erstausgabe, sondern Taschenbuchausgaben, die auf dem Buchmarkt heute noch erhältlich sind. Die Angaben zum Verlag und zum Erscheinungsjahr betreffen indes immer die Erstausgaben.
Das Interesse an den Literaturen aus Afrika und der arabischen Welt war in den 25 Jahren meiner Tätigkeit als Literaturkritiker nicht konstant. Das hängt mit der Entwicklung in den entsprechenden Regionen zusammen, aber auch mit der Entwicklung hierzulande. Mit dem schwindenden Interesse an politischer bzw. sozialkritischer Literatur bei uns geht eine geringere Rezeptionsfreudigkeit der hier vorgestellten Literaturen einher, da diese infolge des kolonialen und postkolonialen Zusammenhangs mitunter einen starken politischen bzw. sozialkritischen Gehalt aufweist. Heute wird eine andere Tendenz sichtbar: Ins Deutsche übersetzt und hierzulande rezipiert werden Literaturwerke, die auf einen erhöhten Unterhaltungswert setzen. Selbstverständlich wünsche ich mir ein gewisses Interesse an dieser Website.
Ich wünsche Ihnen eine ergiebige Lektüre und verbleibe mit freundlichen Grüssen!
Heinz Hug
